Michaël Borremans
The Load
2008
Öl auf Leinwand
40 x 50 cm
© Michaël Borremans
Courtesy David Zwirner, New York und Zeno X Gallery, Antwerp
infos zur ausstellung
Der belgische Künstler Michaël Borremans (*1963) hat sich mit seinen
Zeichnungen und Gemälden längst einen internationalen Ruf
erarbeitet. Seit einigen Jahren beschäftigt er sich daneben verstärkt
mit dem Medium Film. Die kestnergesellschaft stellt in seiner umfassenden
Einzelausstellung eine größere Reihe seiner filmischen Arbeiten
vor, begleitet von neuen Gemälden und ausgewählten Zeichnungen.
Borremans malerische Präsentationen leben von einer emphatischen
Betonung der Oberfläche durch Licht, Farbe und Dimensionierung.
Der altmeisterlich und nostalgisch wirkende Stil zeugt von zahlreichen
kunstgeschichtlichen Referenzen, wie etwa der Darstellung von
Menschen als Gegenstände, ähnlich einem Stillleben.
Auch vom Surrealismus sind die Bildwelten beeinflusst, denn in der Betrachtung
kompositorischer Details verweigern sie sich einer klaren Lesbarkeit.
Solchen künstlerischen Methoden begegnet man auch in Borremans
filmischer Arbeit: Die Kamera verharrt ungewöhnlich lang auf einem
Geschehen oder tastet dieses sanft und zugleich voyeuristisch ab. Es
bleibt unklar, ob es Menschen oder Puppen sind, die in automatisch
und empfindsam zugleich ausgeführte Handlungen vertieft sind. In
der filmischen Dauer und Wiederholung erscheinen die Bewegungen
wie absurde Posen.
Das Medium der Zeichnung dient Borremans zur
Darstellung von Ritualen menschlicher Machtausübung. In ihrer Modellhaftigkeit
wirken die Situationen harmlos und fast idyllisch und
spielen so mit den Wahrnehmungsmustern der Betrachter/innen.
Michaël Borremans schafft verführerische und überzeitliche Bilder
von innerer Getriebenheit und äußerer Machteinwirkung und erzählt
so vom latenten Druck, Mensch zu sein. Hinter einem Schleier stilistischer
Makellosigkeit und Perfektion simuliert der Künstler Lesbarkeit
und Sinn. Seine Werke pendeln zwischen erbarmungslosem
Realismus und distanzierender Verfremdung: Sie funktionieren als
Vexierspiegel menschlicher Weltwahrnehmung.
Neben Einzelausstellungen u.a. im Centro de Artes Visuais, Coimbra (2007), im De Appel, Amsterdam (2007), im Museum für Gegenwartskunst, Basel (2004) und in der Kunsthalle Bremerhaven (2004) waren Michaël Borremans Arbeiten Teil der 4. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst (2006), bei der er erstmals seine filmischen Arbeiten präsentiert hat.