chris ofili
the blue rider extended remix
23. juni bis 20. august 2006
In einer ersten institutionellen Einzelausstellung in Deutschland präsentiert die kestnergesellschaft die aktuelle Werkgruppe des britischen Turner-Preisträgers Chris Ofili. Neben großformatigen Arbeiten auf Papier und Leinwand zeigt die Ausstellung auch Skulpturen des 1968 in Manchester geborenen Künstlers, der in Trinidad lebt und arbeitet.
Mit seinen dichten Malereien bereits in den frühen 1990er Jahren bekannt geworden, stellte Ofili seitdem in zahlreichen internationalen Institutionen aus. Im Juni 2003 bespielte er auf der 50. Biennale in Venedig mit seiner ambitionierten Ausstellung "Within Reach". 2004 gewann er den viel beachteten "South Bank Award".
Stets werden in Ofilis Arbeiten in einem "transkulturellen" Prozess Bildelemente aus diversen und divergenten kulturellen Kontexten miteinander verbunden. Mit der Vermischung von Heiligem und Profanem, der Kombination von Madonnen und Superhelden aus Werken der 1990er Jahre, mit traditionellen Figuren aus der Volkskunst verschiedener Kulturen bewegen sich Ofilis Bilder und Skulpturen bewusst an der Schwelle zwischen Kitsch und Provokation und schaffen eine ganz eigene künstlerische Synthese.
In der aktuellen Werkserie The Blue Rider bezieht sich Ofili auf die deutsche Expressionisten-Vereinigung "Der blaue Reiter" mit ihrer Synthese aller Künste von Figuration, Abstraktion, Expressionismus und Spiritualismus, Malerei, Musik, Theater, High Art und Volkskunst. Gleichzeitig erinnern die ganz in Blau- und Silbertönen gehaltenen Arbeiten in ihrer Farbigkeit von nächtlichem, dunklem Ozeanblau und phosphorisierendem, tropischem Mondlicht an Ofilis neue Wahlheimat Trinidad und Tobago. In einem mystischen Garten Eden begegnen uns dunkle Frauen und Männer, Schlangen und exotische Vegetation. Gebrochen wird der paradiesische Schein jedoch in der Gegenüberstellung mit profanen, karnevalesken Elementen großformatigen Skulpturen in Anlehnung an die "Caganer", Krippenfiguren aus der katalanischen Volkskunst.