Infos zur Ausstellung

11. Februar bis 10. April

Haus im Schlamm
kestnergesellschaft, Hannover, Deutschland. Februar 2005

In das Erdgeschoss der kestnergesellschaft wurde auf Boden und Wänden 120 m³ Material, davon 45 m³ Schlamm und 75 m³ Torf eingebracht. Zu Beginn des Projektes war aufgrund seiner soziologischen Emanationen als Material Sediment des künstlichen Maschsees vorgesehen. Dies erwies sich jedoch als unmöglich, denn obwohl das Sediment einfach zu beschaffen gewesen wären, waren die gesundheitlichen Risiken, die sich durch seinen Gebrauch ergeben hätten, nicht einzuschätzen. Es hätte zu einer Freisetzung von H2S und Aerosolen, beides in hohem Maße gesundheitsschädigend (für die Atemwege), kommen können. Als Ersatz fanden Torf und Moorschlamm aus Bad Nenndorf, bzw. aus einem Moorabbaugebiet in der Nähe des Steinhuder Meeres, Verwendung. Dieses Material ist bakteriologisch unbedenklich, da es sich dabei nicht um einen organischen sondern einen mineralischen Schlamm handelt. Sein hoher Säuregrad erschwert schädlichen Bakterien das Überleben. Im Obergeschoss befinden sich lediglich die schlammigen Fußabdrücke der Besucher.

Erstmals in Deutschland widmet die kestnergesellschaft dem 1966 geborenen Santiago Sierra eine projektbezogene Einzelausstellung. Der gebürtige Spanier, der heute in Mexiko-Stadt lebt, provoziert mit gesellschaftskritischen Aktionen bereits seit Anfang der 1990er Jahre. Seit der letzten Biennale in Venedig gilt Sierra als einer der international bedeutendsten und meist diskutierten zeitgenössischen Künstler. Damals ließ er den spanischen Pavillon zumauern, von Sicherheitskräften bewachen und nur nach Vorlage eines spanischen Passes betreten.

Mit einem ebenso spektakulären Eingriff setzt sich der Künstler in der kestnergesellschaft mit der Stadtgeschichte Hannovers auseinander. Für seine Installation Haus im Schlamm werden die Räume im Erdgeschoss der kestnergesellschaft, ähnlich den legendären »Earth Rooms« von Walter de Maria, mit rund 400 Tonnen Schlamm und Torf gefüllt.

Den Hintergrund für diese Installation liefert die Entstehungsgeschichte des Maschsees, dessen Realisierung in den 1930er Jahren – obgleich die Pläne schon weitaus älter waren – der Beschäftigung Arbeitsloser diente. Genau diese Frage nach der »Bewertung« von Arbeit und ihrer Bedeutung als Machtinstrument zieht sich als Konstante durch Sierras bisheriges Werk und steht als Thema von aktueller Brisanz auch im Mittelpunkt der Aktion in Hannover.

 
 

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