pressekonferenz mit gilbert & george

Wie versteinert sitzen die beiden Londoner Künstler Gilbert & George während ihrer Pressekonferenz an einem Tisch; regungslos und ohne den Hauch einer Unkontrolliertheit am Körper. Und genau so definieren sie sich. „Wir sind lebendige Skulpturen“.

Die beiden Kreativen lernten sich in den sechziger Jahren kennen. Über ihren gemeinsamen Besuch an einer Kunstschule sagen sie heute, sie habe ihnen an Ausbildungserfahrung so gut wie nichts vermitteln können. Mit den „living sculptures“ begann ihre Erfolgsgeschichte. Als Künstler verstehen sie sich angeblich nicht: „Wir sind nie davon ausgegangen, Künstler zu sein; was wir wollen, ist, dass sich jemand unsere Bilder anschaut und sich in sie verliebt.“

Was sie auf ihren teils riesigen Bilderwänden zeigen, mutet auf den ersten Blick skurril und sinnlos an: Zwei Menschen in der Mitte, umschlossen von sehr viel Text. Die vielen Straßennamen, die Gilbert & George, beide stets im konservativen Anzug, umrahmen, ist die abstrakte Darstellung des Londoner Stadtteils East End, der sich in den Bildern durch den Postcode E1 bemerkbar macht.

East End zeichne sich durch seine Multikulturalität sowie auch durch seine Hässlichkeit aus. Um die ganzen Erinnerungen und Gedanken an einzelne Gassen, Straßen und Plätze zu zeigen, benutzen Gilbert & George die Methode des Auflistens. Doch auch dabei nutzen sie ein bestimmtes Schema. Zum Beispiel ordnen die beiden Künstler die Straßennamen nach der Länge der Wörter; dabei geht es nicht um inhaltliche, sondern viel mehr um formale Stilfragen.

Mal seriös, mal völlig abgedreht. Vielleicht übertreiben die beiden ein wenig, wenn sie von einem demokratischen Kunstansatz sprechen; einer Kunst, die jeder versteht. Man muss wohl schon die eine oder andere Broschüre gelesen haben, um hinter die Gedanken der beiden Kreativen zu kommen; doch dann klart das Bild auf.

Die Begründung beispielsweise, warum ein verschwommenes Etwas, eine Filzlaus, auf den Plakaten immer wieder auftaucht, ist ganz logisch: Sie ist das Maskottchen der Künstler. Und warum? „Filzläuse sind nicht rassistisch, sie setzen sich auf allen Menschen ab, egal welcher Hautfarbe und Herkunft. Sie sind das Sinnbild von Demokratie.“

Die Gedanken der beiden: Wer sie verstehen möchte, sollte unbedingt bis zum 17. Juli in der kestnergesellschaft vorbeischauen.

 
 

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