Wiedereröffnung 1948
Andy Warhol
geschichte
Im Jahr 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, gründeten hannoversche Bürger die kestnergesellschaft, unter ihnen Hermann Bahlsen, August Madsack und Fritz Beindorff. Ihr Anliegen war es, international wichtige Künstler mit aktuellen, zeitgenössischen Werken nach Hannover zu holen. Die erste Ausstellung neuer Bilder Max Liebermanns bildete 1916 den programmatischen Startpunkt für dieses Konzept. Der erste Direktor Paul Küppers formulierte damals, man wolle Kunstwerke zeigen, die »nicht einfach als angenehmer Zeitvertreib wirken, sondern vielmehr als Anreger und nötigenfalls auch als Erreger.«
1936 wurde die kestnergesellschaft unter dem Druck der nationalsozialistischen Regierung geschlossen. Direktor war damals Justus Bier, ein Jude, der noch kurz vor der Schließung Werke von Erich Heckel, Gerhard Marcks, Christian Rohlfs und August Macke gezeigt hatte Künstler, die nur ein Jahr später in der münchner Ausstellung »Entartete Kunst« verfemt wurden. Bereits kurz nach dem Krieg, 1948, eröffneten engagierte Hannoveraner, unter ihnen Hermann Bahlsen, Wilhelm Stichweh, Bernhard Sprengel und Günther Beindorff, der Direktor der Pelikan-Werke, die neue kestnergesellschaft in der Warmbüchenstraße. Als dieses Gebäude in den 90er Jahren den hohen technischen Anforderungen des modernen Ausstellungsbetriebes nicht mehr genügte, suchte die kestnergesellschaft ein neues Domizil. Man entschied sich für das ehemalige Goseriedebad im Zentrum der Stadt, das von einem international jurierten Architektenteam zu einem modernen Ausstellungshaus umgebaut wurde.
Die Liste der Künstler, die in der 75-jährigen Geschichte die Jahre der Schließung werden dabei nicht mitgezählt in der kestnergesellschaft ausgestellt wurden, liest sich wie das Who is Who der Kunstgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts. Unter ihnen Paul Klee (1920), Wassily Kandinsky (1923), El Lissitzky (1923) und Kurt Schwitters (1924), die beide der kestnergesellschaft freundschaftlich verbunden waren, Joan Miró (1952, 1956, 1989), Jean Dubuffet (1960), Marcel Duchamp (1965), Pablo Picasso (1973, 1993), Georg Baselitz (1987), Joseph Beuys (1975, 1990), Andy Warhol (1981 - erste Retrospektive in Deutschland, 2001) Richard Prince (1991), Rebecca Horn (1978, 1991, 1997), Antoni Tàpies (1962, 1998), Jonathan Meese (2002), Thomas Ruff (2003) und Peter Doig (2004).